Vielfalt fördern, Arten retten – mit den Wilden Pflanzen!

Freue dich mit uns über diesen tollen Gastbeitrag der Umweltwissenschaftlerin, Autorin und Naturfotografin Franziska Becker. Auf ihrem Blog blühendgrün (www.bluehendgruen.de) und ihrem Instagram-Account @bluehendgruen.de schreibt sie über alles rund um die Themen Garten, Balkon und Natur.

Wilde Pflanzen Titelfoto

Vielfalt fördern, Arten retten – mit den Wilden Pflanzen!

Die Knoblauchsrauke, die Gefleckte Taubnessel und die Echte Nelkenwurz sind einige von den Wilden Pflanzen, die wir in unseren Gärten und in den Balkontöpfen entdecken können, obwohl wir sie gar nicht ausgesät oder gepflanzt haben. Denn die Wilden Pflanzen siedeln sich meist von ganz allein an!

Doch warum sind sie so wichtig, wieso eigentlich „Wilde Pflanzen“ und nicht die Bezeichnung „Wildpflanzen“, wie können sie angesiedelt oder gefördert werden, und weshalb retten diese Pflanzen Arten?

Wichtig ist zu verstehen, dass einzige Art der Vermehrung für einjährige Pflanzen die Selbstaussaat ist. Viele einjährige Blühpflanzen sind dafür auf eine Reihe äußere Faktoren wie Wetter und Witterung angewesen, weshalb die Vermehrung nicht immer zuverlässig an jedem Standort funktioniert und eventuell neues Saatgut ausgebracht werden muss.

Wilde Pflanzen – Archäophyten, Neophyten und einheimische Arten

Häufig begegnen uns im Zusammenhang mit Pflanzen die Bezeichnungen Archäophyten, Neophyten und einheimische Arten. Das Wissen über die Definition der Begriffe, hilft bei der Einschätzung und der Zuordnung.

Mohn Nektar

Einheimische Arten oder indigene Arten

Pflanzen, die sich nach der letzten Eiszeit in Mitteleuropa etablieren, ihre ökologischen Nischen und bestimmten Standorte finden konnten, werden als einheimische Arten oder auch indigene Arten bezeichnet. Sie haben charakteristische Verbreitungsgebiete und die Wanderung in andere Gebiete erfolgte über einen längeren Zeitraum. Erst durch den Menschen können Pflanzen weitere Wege in kürzerer Zeit zurücklegen. Sie wurden und werden gezielt eingeführt als Zierpflanzen zur Kultivierung in Gärten und auf dem Balkon oder als besonders nektar- und pollenreiche Pflanzenarten für Honigbienen. Aber auch durch die indirekte Verbreitung, beispielsweise als Fremdsaat in nicht ausreichend gereinigtem Saatgut, haben die Pflanzen neue Gebiete erobert. Diese sogenannte anthropogene Verbreitungsform wird anhand der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 in zwei Kategorien eingeteilt: Die Pflanzen, die vor der Entdeckung Amerikas nach Mitteleuropa eingeschleppt wurden, werden als Archäophyten bezeichnet. Dieses geschah meist unbeabsichtigt durch den Ackerbau als Fremdsaat. Hierzu zählen Pflanzen, wie die Kornblume und der Klatschmohn.

Da Archäophyten insbesondere aus dem südlichen und südöstlichen Teil Europas kamen, werden sie häufig zusammen mit den einheimischen Arten zusammengefasst.

Wie kamen die Neophyten zu uns?

Als Neophyten werden dagegen die Pflanzen bezeichnet, die nach der Entdeckung Amerikas nach Mitteleuropa kamen, teils aus sehr fernen Ländern. Einige haben den Weg aus den Gärten in die freie Natur gefunden. Viele haben sich in das jeweilige Ökosystem eingefügt, erobern Ruderalflächen und leben harmonisch mit den heimischen Pflanzen zusammen. Vermehren sie sich an ihrem Standort über mehrere Generationen, werden sie als etablierte Neophyten bezeichnet.

Auch die Insektenwelt kann von den Neuankömmlingen profitieren. Doch manche dieser Pflanzen sind sehr konkurrenzstark und verdrängen einheimische Pflanzen aus ihrem natürlichen Lebensraum. Diese werden als invasive Neophyten oder invasive Art bezeichnet. Ob eine Pflanze zu einem invasiven Neophyten wird, lässt sich zumeist schwer vorhersagen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit gebietsfremden Pflanzenarten im Garten und auf dem Balkon ist deshalb wichtig, damit sie nicht in die freie Natur gelangen.

Die Bezeichnung „Wilde Pflanzen“ umfasst einheimische Arten, Archäophyten und Neophyten. Denn all diese Pflanzen können uns in der freien Natur begegnen oder sich von allein im Garten oder in den Pflanztöpfen auf dem Balkon ansiedeln.

Pestizidfreies Gärtnern

Ob Pilze, wie der Echte Mehltau oder Blattläuse: Es gibt einige Lebewesen, die unsere Pflanzen genauso attraktiv finden, wie wir! Nur auf eine gewisse andere Art und Weise. Der Echte Mehltau legt sich wie weißer Mehlstaub über die grünen Blätter und die Blattläuse saugen an den Pflanzensäften. Doch bei den Wilden Pflanzen lohnt es sich, erstmal zu beobachten. Was im ersten Moment etwas befremdlich wirkt, fördert die Artenvielfalt im ganz großen Stil! Denn indem wir erstmal nichts machen, werden die natürlichen Gegenspieler auf den Plan gerufen.

22PunktMarienkäfer_PestizidfreiesGärtnern

Der 22-Punkt-Marienkäfer ist ein kleiner gelber Käfer mit 22 schwarzen Punkten auf dem Rücken. Das erwachsene Tier und seine Larven ernähren sich hauptsächlich vom Echten Mehltau. Der Pilz wird förmlich abgegrast und dient damit der Arterhaltung dieses für uns harmlosen Käfers. Andere Marienkäfer, wie der Zwei-Punkt-Marienkäfer, ernähren sich als erwachsenes Tier und als Larve ausschließlich von Blattläusen.

Auch Hain-Schwebfliegen, die als erwachsene Insekten die Blüten bestäuben, brauchen für ihre Larven Blattläuse. Zudem ernähren sich Wildvögel, wie Meisen, nicht nur selbst davon, sondern brauchen für die Aufzucht ihrer kleinen Nachkommen Mengen an Blattläusen. Diese werden einzeln von den Pflanzen abgesammelt und verfüttert.

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Wilde Pflanzen – ansiedeln, aussäen, zulassen

Um die Vielfalt im Garten und auf dem Balkon zu fördern und aktiv etwas für die Arten zu tun, können die Wilden Pflanzen entweder ausgesät, angesiedelt oder einfach zugelassen werden.

Die Pflanzen, die sich von allein an ihren neuen Standorten zeigen, sind bestens an die herrschenden Klima- und Umweltbedingungen angepasst. Sie sind robust, pflegeleicht und dazu noch insektenwichtig! Lassen wir die Wilden Pflanzen in unserer Gartengestaltung Raum, so bereichern sie nicht nur die einzelnen Bereiche, in denen sie wachsen und fördern damit die Vielfalt, sondern sie zeigen uns sogar etwas über die Bodenbeschaffenheit und die Standortverhältnisse.

Was es mit den Zeigerpflanzen auf sich hat

Viele der Wilden Pflanzen sind sogenannte Zeigerpflanzen. So ist die Große Brennnessel (Urtica dioica) ein Stickstoffzeiger. Andere Pflanzen zeigen trockene und sandige Böden oder auch lehmige und verdichtete Böden an. Die Zeigerpflanzen bieten uns damit einen gratis Bodentest, bei dem wir viel über den Bodenzustand und die -beschaffenheit erfahren können.

Während einige der Wilden Pflanzen den Weg also meist von ganz allein in den Garten oder auf den Balkon finden, ist es bei anderen Wildstauden erforderlich, diese anzusiedeln. Hierfür kann die Pflanze als Saatgut oder als vorgezogene Pflanze in qualifizierten und zertifizierten Wildpflanzengärtnereien gekauft werden. Wichtig dabei ist, die jeweilige Pflanze an ihren bevorzugten Standort zu pflanzen oder auszusäen, damit sie ihre volle Schönheit entfalten und ihren pflegeleichten und robusten Charakter zeigen kann.

Nahrungsangebot für Generalisten und Spezialisten

Sind die Wilden Pflanzen angesiedelt, gefördert oder ausgesät, kann es nun mit dem Beobachten der vielen Pflanzenbesucher losgehen. Denn dürfen die Pflanzen ersteinmal wachsen, beginnt auch schon das Retten der Arten!

Gelbbindige Furchenbiene_GeneralistenundSpezialisten

Jede Pflanze hat ihren Platz im Ökosystem, ist Sauerstoffgeber und Nahrungsgrundlage. Unter den Insekten herrscht dabei nicht nur eine große Vielfalt, sie sind auch auf ganz unterschiedliche Pflanzen spezialisiert. Dabei gibt es die sogenannten Generalisten und die Spezialisten unter ihnen mit jeweiligen Nahrungsansprüchen. So sind viele solitär lebende Wildbienen auf das Vorkommen bestimmter Pflanzen und deren Blütenpollen für ihren Nachwuchs angewiesen. Auch die Raupen vieler Tag- und Nachtfalterarten sind Spezialisten. Tagpfauenaugenraupen ernähren sich beispielsweise ausschließlich von den Blättern der Großen Brennnessel (Urtica dioica). Diese dienen ihnen gleichzeitig als sicherer Verpuppungsort.

Artenkenntnis schafft Wertschätzung

Vielfalt schaffen und Arten retten kann leichter sein, als gedacht und ist für jede*n im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten mit individueller Garten- und Balkongestaltung möglich und machbar. Wenn wir dann auch noch wissen, wer da wächst, und für wen das Vorkommen der Pflanzen sogar essentiell ist, macht das Beobachten noch mehr Spaß!

Es wird also höchste Zeit, nicht mehr achtlos an den Wilden Pflanzen vorbeizugehen und sie zu bekämpfen, sondern ihren Wert wieder schätzen zu wissen. Lassen wir diese vermeintlich unbekannten, unliebsamen und unscheinbaren Wilden Pflanzen in unsere Gärten und auf unsere Balkone und gestalten sie zu ökologisch wertvollen und blühenden Oasen, die nicht nur uns gefallen, sondern überlebenswichtig sind für unsere Insekten und Wildtiere.

Die Natur ist der bessere Gärtner

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Wer mehr über die Wilden Pflanzen wissen möchte, die um uns herum wachsen und die wir im Garten und auf dem Balkon entdecken, ansiedeln und fördern können: Die Natur ist der bessere Gärtner, erhältlich im BoD-Buchshop, in Online-Shops oder der Buchhandlung des Vertrauens.

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